Historisches

Auferstehungskirche / Möckern

 Die frühe Geschichte der Kirchgemeinde 

Der heutige Leipziger Stadtteil Möckern liegt am Nordrand der Elsteraue. Die Elsteraue ist bereits seit vielen Jahrhunderten, wenn nicht gar mehreren Jahrtausenden besiedelt. Eine Siedlung im Bereich von Möckern ist zwar nicht bewiesen, aber doch sehr wahrscheinlich. Vor der Völkerwanderung war unsere Gegend von den germanischen Hermunduren bewohnt. Die Hermunduren zogen nach Westen und die Sorben übernahmen die verlassenen Wohnplätze. Im 10. Jahrhundert begann sich der deutsche Einfluß auch auf das Gebiet zwischen Saale und Mulde auszudehnen. Im Jahre 1004 gab es in Wahren einen befestigten Königshof, wahrscheinlich mit einer Kapelle. Möckern wird um das Jahr 1000 als sorbische Ansiedlung bestanden haben. Darauf deutet der Name mokrina hin, die sorbische Bezeichnung für Sumpf. Die gesamte Elsteraue war in dieser Zeit versumpft und ständig von Hochwasser bedroht. Aus dem sorbischen Wort mokrina hat sich die uns vertraute Form Möckern entwickelt. Erstmals taucht der Name Möckern im Leipziger Stadtbuch von 1359 auf. Das Dorf Möckern mußte Brücken- und Wegedienst leisten. Damals lebten vielleicht schon 200 Jahre lang deutsche Bauern in Möckern. Möckern erscheint als ein Dorf nach dem Typus der ostdeutschen Kolonisation, es handelt sich um ein Gassendorf. Die ursprüngliche Dorfanlage hat sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts kaum verändert und ist auch noch heute zu erkennen. Vor der Reformation waren Möckern und Gohlis nach Leipzig eingepfarrt, obwohl die Wahrener Kirche viel näher lag. 1543 wurde Möckern der Kirche in Wahren zugeordnet. Doch diese Neuordnung hatte nur kurzen Bestand, denn Möckern und Wahren hatten verschiedene Landesherren. Wahren gehörte zum Stift Merseburg, Möckern zu den wettinischen Erblanden. So wechselte Möckern schon ein Jahr später zur Kirchgemeinde Eutritzsch, Damit verlängerte sich der Weg zur Kirche beträchtlich. Im Jahre 1574 lebten 156 Einwohner in Möckern. Die Besitzer Möckerns wechselten oft. Dabei gab es eine Besonderheit in Möckern: Das Dorf gehörte nicht dem Besitzer des Ritter gutes. Die Bauern mußten dem Grundherrn, aber nicht dem Gutsbesitzer Dienste leisten. Da der Grundherr nicht im Ort lebte, war die Bedrückung durch Abgaben meist nicht sehr hart. Das wohl wichtigste Ereignis in Möckerns Geschichte war die Schlacht um Möckern, ein Teil der Völkerschlacht. Am 16.10.1813 lieferten sich Franzosen und Preußen harte Kämpfe um Möckern, 9000 Menschen fanden den Tod. Große Teile des Dorfes wurden zerstört, noch 1817 lagen viele Gehöfte in Schutt und Asche. Im Jahre 1830 trug Möckern noch vollkommen dörflichen Charakter, auch um 1850 war die Hallesche Straße (die heutige Georg-Schumann-Straße) noch völlig unbebaut. Doch Möckern entwickelte sich immer mehr zu einem Vorort der nahen Großstadt. 1877 begann die Verlegung der Leipziger Garnison nach Möckern. Die Zahl der Einwohner stieg von 767 im Jahre 1857 auf 9593 zur Jahrhundertwende. In raschem Tempo wuchsen vor allem Wohnbauten empor. Auch kleine Betriebe entstanden. Auf Drängen des Gemeinderates wurde Möckern am 1. Januar 1910 nach Leipzig eingemeindet. In etwa 50 Jahren wurde aus einem Bauerndorf ein aufstrebender Stadtteil einer der größten Städte Deutschlands.


Entwicklung im 19. Jahrhundert bis zum Kirchenbau

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ der Kirchenbesuch der Möckernschen sehr zu wünschen übrig. Der Wahrener Pfarrer Heinersdorf klagte darüber: "Es war natürlich, daß bei der weiten Entfernung von Eutritzsch die Kirche von den Bewohnern selten besucht wurde und der kirchliche Sinn immer mehr schwinden mußte. Von einer Seelsorge konnte auch nicht viel die Rede sein. Pfarrer und Gemeinde waren sich ziemlich fremd. Die kirchlich Gesinnten kamen nach Wahren. Kirchliche Handlungen waren mit viel Kosten verbunden, da zu Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Kommunionen usw. Wagen genommen werden mußten. Höchst beschwerlich war es für die Konfirmanden, die in der schlechten Jahreszeit so lange nach Eutritzsch gehen mußten." So wurde 1852 in Möckern ein eigener Friedhof angelegt. Drei Jahre später machte der Eutritzscher Pfarrer Kunad seinem Wahrener Amtsbruder den Vorschlag der Umpfarrung Möckerns. Seit dem 1. Januar 1857 gehörte Möckern nun zur Kirchgemeinde Wahren. Neben Möckern und Wahren gehörte auch Stahmeln zur Wahrener Gemeinde. Rasch nahm die Bedeutung Möckerns in der neuen Kirchgemeinde zu. Seit 1884 gab es jede zweite Woche Taufgottesdienste im Schulgebäude und am 1. August 1886 feierte man in der Aula der neuen Gemeindeschule den ersten Gottesdienst. Durch die ständig steigende Einwohnerzahl wurde es immer schwieriger, Möckern von Wahren aus zu betreuen. Deshalb wurde am 1. Oktober 1888 die selbständige Kirchgemeinde Möckern gebildet, Vikar Heinrich Lorenz wurde zum ersten Pfarrer gewählt. Möckern war nun Kirchgemeinde geworden, allerdings noch ohne Kirche. 1897 wurde, auf Anregung des Landeskonsistoriums, der "Kirchenbauverein der Parochie Möckern bei Leipzig" gegründet, als Bauplatz für die Kirche wählte man den alten Friedhof aus. Doch erst als ein anonymer Spender aus dem Landeskonsistorium 20.000 Mark für den Kirchenbau zur Verfügung stellte, konnte man ernsthaft an den Baubeginn denken. Der Kirchenvorstand beschloß am 27. Februar 1900 den Bau einer Notkirche. Paul Lange, Architekt aus Leipzig, entwarf die Baupläne. Schon im Dezember 1900 wurde der Bauplatz abgesteckt, der Erdaushub begann. Architekt Schichtholz wurde mit den Erd-, Fundamentierungs- und Maurerarbeiten beauftragt, Architekt Morgenstern aus Leipzig Reudnitz übernahm die Zimmerarbeiten. Der ungewöhnlich kalte Winter unterbrach die Bauarbeiten für über zwei Monate. Ende März wurde das gesamte Fachwerk aufgerichtet, im Mai Richtfest gefeiert. Die Inneneinrichtung konnte im Juni vollendet werden. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 58.108 Mark. Am 10. November 1901 wurde Kirchweih gefeiert. Superintendent Michel weihte die Kirche, Pfarrer Lorenz hielt die Festpredigt. 1921 bekam die Kirche den Namen "Auferstehungskirche", der der christlichen Hoffnung Ausdruck verleiht, daß mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Seit fast 100 Jahren bereichert nun unsere Notkirche das an Baudenkmälern arme Ortsbild von Möckern. Immer wieder haben Möckerns Christen versucht, Schäden am Bau zu beheben und die Kirche mit Leben zu erfüllen. Der Förderverein soll unserer Gemeinde helfen, die Kirche als Gotteshaus und Stadtteildominante zu bewahren.



Die Kirche und ihre Ausstattung
Die sich auf dem 1852 angelegten Friedhof von Nord nach Süd erstreckende Auferstehungskirche ist ein Fachwerkbau. Das hölzerne Fachwerk ist mit unverputzten gelben Verblendziegeln ausgefacht. Der Grundriß geht vom lateinischen Kreuz aus und tendiert im Innern durch eine Ständerkonstruktion, die die Emporen ein schließt, zur Dreischiffigkeit. Die Holzdecke steigt im Mittelschiff an und erfährt über der Vierung eine kuppelartige Erhöhung. Vor Abbruch des Chores war die Kirche 28 m lang. Das Hauptschiff hat eine Breite von 13 m und erfährt im Querschiff eine Ausdehnung auf 18 m. Der Innenraum ist fast 11 m hoch. Ursprünglich hatte die Kirche 602 Sitzplätze. Der 32 m hohe, im unteren Bereich massiv aufgeführte Turm mit dem Haupteingang und der Vorhalle erhebt sich an der Georg-Schumann-Straße, an der Südseite der Kirche. 

Die Fenster
Man plante zunächst, die Fenster mit einfachem Kathedralglas auszustatten. Stiftungen ermöglichten aber eine reichere Ausgestaltung der Fenster. Alle Fenster wurden vom Atelier für Glasmalerei und Kunstverglasung Bruno Urban in Dresden im Jahre 1901 gefertigt. Ein anonymer Spender stiftete das mittlere Apsisfenster. Es zeigt den aus dem Grabe erstandenen Christus im Strahlenkranz mit den Schriftzügen "Ich bin die Auferstehung und das Leben" und "Der Tod ist verschlungen in den Sieg 1. Kor. Kap.15 V.55". Die Fenster rechts und links daneben zeigen Paulus mit Bibel und Schwert (gestiftet von der Familie des Holzplatzbesitzers Wehse) und Petrus mit Ruder und Fischernetz (gestiftet von Familie Bähr). Oberhalb der Emporen befinden sich zwei Dreifenstergruppen mit ornamentaler Verglasung. Das mittlere Fenster auf der linken Seite zeigt als oberen Abschluß ein Brustbild Luthers, auf der gegenüberliegenden Seite ist Melanchthon dargestellt. Diese Bilder wurden von den Besitzern des Rittergutes geschenkt. In der Sakristei (unten) zeigt ein heute beschädigtes Fenster den an klopfenden Christus (Offenbarung 3,20), gestiftet von Pfarrer Lorenz.
Die wertvollen Buntglasfenster geben der sonst eher schlichten Kirche einen besonderen Reiz.


  

Der Taufstein
Der 90 cm hohe Taufstein wurde aus weißem, graugeäderten Marmor gefertigt. Am Fuß findet sich die Inschrift "Gestiftet von Ed. Rohland Möckern anno 1901". In eine runde Vertiefung wird die Taufschale eingesetzt, die aus Kupfer gefertigt ist. In den Boden der Schale ist eine Taube im Strahlenkranz, Symbol des Heiligen Geistes, eingraviert. Der Rand trägt die Inschrift "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Marci 10,14".


Kronleuchter
Der Kronleuchter, aus Messing und in der Vierung aufgehängt, eine einfache, aber wirkungsvolle Arbeit. Er ist sechseckig und hatte sechs nach unten geschlossene Lampen aus Mattglas, von denen aber nur noch drei erhalten sind. Diese sechs Lampen umkränzen eine größere Lampe in der Mitte. Um den um 1906 hergestellten Kronleuchter wieder in einen ansehnlichen Zustand zu bringen, bedarf es jedoch erheblicher finanzieller Mittel.

Altar und Kanzel
Der Sandsteinaltar aus der Bauzeit der Kirche wurde beim Umbau der Kirche 1974 -1982 abgebrochen. Heute ist die Kirche mit einem einfachen Holzaltar ausgestattet. Das große Altarkruzifix, eine Oberammergauer Schnitzarbeit, wurde an der Orgelempore angebracht. Auch die Kanzel fiel den Umbauarbeiten zum Opfer, es wurde der Kanzelkorb der abgebrochenen Kirche aus Magdeborn bei Leipzig übernommen.

     


Die Schweinefleisch-Mendelssohn-Orgel von 1767

Die Geschichte der Orgel läßt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.
1767 erbaute der Leipziger Universitätsorgelbaumeister Johann Emanuel Schweinefleisch (1720-1771) eine Orgel mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal für die damalige reformierte Kirche am Thomaskirchhof.
Diese Orgel, deren Disposition und Klang noch ganz von der Zeit des Barock geprägt war, wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Reparaturen, Umbauten und Erweiterungen unterzogen,besonders erwähnenswert sind dabei die Arbeiten der Orgelbauer Johann Gottlob Mende 1841 und Carl Bernecker 1870-1873. Letzterer vergrößerte die Orgel auf drei Manuale. und Pedal mit 31 Registern und paßte sie in Registerwahl und Klang dem romantischen Zeitgeschmack an.
Interessant ist auch, dass die Orgel 1841 von Felix Mendelssohn Bartholdy geprüft wurde, der Mitglied der reformierten Gemeinde war
1901 wurde diese Orgel aus der nicht mehr benutzten alten reformierten Kirche nach Möckern verkauft und in die neuerbaute Auferstehungskirche umgesetzt vom Leipziger Orgelbauer Gottfried Hildebrand.
Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden immer wieder Reparaturen notwendig
1984 schließlich wurde der Greizer Orgelbauer Hartmut Schüßler beauftragt, die Orgel entsprechend den damaligen Möglichkeiten und Erkenntnissen im Sinne von Schweinefleisch zu rekonstruieren.An die Zeit von 1767 erinnern neben dem sehr schönen klassizistischen Prospekt auch noch einige wenige Register.
Andere Register der nun wieder zweimanualigen Orgel stammen aus dem 19. Jahrhundert mit dem damals typischen weichen, warmen Klang, und einige aus dem 20. Jahrhundert nach dem Umbau von 1984, die eher dem klaren und kräftigen Klangideal der Barockzeit nachempfunden worden sind.

Analyse vor der Sanierung:
Zunächst fällt die ungewöhnlich schwere Spielart auf, dies hat den Grund vor allem in dem ungünstigen Aufbau der Traktur, die durch die Umsetzung des Instrumentes in den neuen Kirchenbau den räumlichen Gegebenheiten angepasst werden musste. Auch der Umbau 1984 konnte durch das Entfernen des dritten Manuales mit dazugehöriger Mechanik und Pfeifenwerk diesem Mangel nicht entscheidend abhelfen, dazu kommt, dass den damaligen finanziellen Möglichkeiten und den Gegebenheiten der ehemaligen DDR entsprechend z.T. minderwertige Materialien zum Einsatz kamen, deren Auswirkungen sich jetzt in der erneuten Reparaturbedürftigkeit der Orgel zeigen,durchstechende Töne durch undichte Ventile und Windladen, Heuler, Töne, die gar nicht mehr erklingen, Tasten, die hängenbleiben, usw.
Die alte Gasheizung der Kirche in den Wintermonaten durch die enorme Lufttrockenheit, die ihre Wärme verursachte, ließ die Holzteile der Orgel auf so ungünstige Weise arbeiten, dass die Störungen in dieser Zeit besonders häufig auftraten.
Die Bauarbeiten laufen seit 2002 an der Kirche auf die Orgelrenovierung zu. Förderverein und Kirchgemeinde haben das Ziel, dass die Orgel zum Bachfest 2005 in das Programm aufgenommen wird.
Nach der Innenrenovierung 2003 begann 2004 der eigentliche Orgelbau.
Die Sanierung wurde im Oktober 2004abgeschossen, Weihe 03.10.2004
Fa. Orgelbau Ekkehard Groß in Kubschütz, OT Waditz (bei Bautzen) 
Die Orgel entspricht jetzt den Zustand von 1841 - Mendelssohn-Stil