Historischer Abriss

Die Glocken

der Gnadenkirche zu Leipzig-Wahren



Die alten Glocken 1919 – 2012


Bis 1917 bestand das Geläut der Gnadenkirche aus drei Bronzeglocken. Folgende Informationen sind überliefert:


Kleine Glocke
gegossen 1858 in Leipzig. Schriftband „Ehre sei Gott in der Höhe – Die Gemeinden Wahren, Stahmeln und Möckern“ (Möckern war von 1857 bis 1888 nach Wahren eingepfarrt); unterer Durchmesser der Glocke 74 cm, Ton „h“, Gewicht 237 kg

Mittlere Glocke
gegossen 1682 in Halle. Unterer Durchmesser der Glocke 98 cm, Ton „g“, Gewicht 474 kg

Große Glocke
gegossen 1722 in Leipzig. Unterer Durchmesser der Glocke 119 cm, Ton „e“, Gewicht 1100 kg

17. Juli 1917
Ablieferung der kleineren und mittleren Glocke für die Rüstungsindustrie. Die große Glocke verbleibt im Turm.

Januar 1919
„Von der verbliebenen Glocke ist ein Stück herausgesprungen.“ Aus dem Protokoll des Kirchenvorstandes vom 20. 01. 1919. Der Kirchenvorstand beschließt daher, ein unverbindliches Angebot der Glockengießerei Fa. Ulrich Apolda für ein neues Geläut einzuholen.

März 1919
Vertrag über ein neues Geläut mit drei Glocken aus Stahlhartguss, Klöppeln und Glockenstuhl zum Preis von 12.400 Mark mit der Fa. Ulrich in Apolda. Die gesprungene Bronzeglocke wird zum Metallwert in Zahlung genommen. Der Guss der neuen Glocken erfolgt durch die Gießerei Ulrich & Weule in Bockenem/Harz.

November 1919
Lieferung der drei neuen Glocken, Einbau des Glockenstuhles in den Turm. Die Eisenhartgussglocken haben folgende technische Daten:

Kleine Glocke
unterer Durchmesser 105 cm, Ton b  Gewicht   632 kg

Mittlere Glocke
unterer Durchmesser 132 cm, Ton g  Gewicht  1118 kg

Große Glocke
unterer Durchmesser 168 cm, Ton es Gewicht  2215 kg

Die Gesamtkosten für das neue Geläut betragen 13.400 Mark. Nach Abzug des Erlöses für den Metallwert der beschädigten Bronzeglocke zahlt die Gemeinde noch 7.523,25 Mark.

Die neuen Eisenhartgussglocken tragen folgende Bibelverse als Zier:

Kleine Glocke

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Matthäusevangelium, Kapitel 11, Vers 28

Mittlere Glocke
“Das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit“. Jesaja, Kapitel 40, Vers 8

Große Glocke
„Ehre sei Gott in der Höhe“. Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 14



Die neuen Bronzeglocken 2012 -


In den zurückliegenden Jahren zeichnete sich bereits ab, dass die Eisenhart-gussglocken und der eiserne Glockenstuhl das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Für die Gemeinde ergab sich daraus die große Aufgabe ein neues Geläut anzuschaffen.

August 2009
Prof. Dr. Gerhard Graf verfasst den Artikel „Wahrens unvollkommenes Geläut“, Beginn der Spendensammlung für die neuen Glocken aus Bronze und einen neuen Glockenstuhl.

Weihnachten 2009
1. Glockenbittbrief an die Besucher der Weihnachtsgottesdienste.

April 2010
Das Gutachten des Glockenbeauftragten der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens empfiehlt eine komplette Erneuerung des Geläuts durch Bronzeglocken und einen neuen Glockenstuhl. Der Kostenumfang wird auf rund 90.000 € geschätzt.

August 2010
2. Glockenbittbrief an alle Gemeindeglieder zur Finanzierung der neuen Glocken.

Februar 2011
Eine präzisierte Kostenschätzung des Glockenbeauftragten ergibt einen Kostenumfang von 100.000 €.

Juni 2011
Der Glockenausschuss konstituiert sich mit der Zielstellung: Erneuerung des Geläuts und des Tragwerkes bis Kirchweih 2012. Für die Gestaltung der Glocken werden folgende Inschriften und Gestaltungselemente festgelegt. Die Inschriften der Eisenhartgussglocken werden übernommen und ergänzt.

Kleine Glocke – Taufglocke
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Matthäusevangelium, Kapitel 11, Vers 28;
dazu die Silhouette des romanischen Taufsteins der Gnadenkirche, oben ein umlaufendes Band mit Palmetten, das die Zierelemente der romanischen Tür der Gnadenkirche (heute Stadtgeschichtliches Museum Leipzig) aufnimmt.

Mittlere Glocke – Ewigkeitsglocke
„Das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich“. Jesaja, Kapitel 40, Vers 8;
dazu eine Lutherrose, oben ein umlaufendes Band aus Rosen und Dornen, das die Elemente der Deckengestaltung des Wahrener Friedhofes aufnimmt.

Große Glocke – Friedensglocke
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“. Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 14;
dazu die Silhouette der Gnadenkirche, oben ein Band mit Akanthusblättern.

Jede Glocke erhält die Inschrift „1919 – Ev.-Luth. Gnadenkirche Leipzig-Wahren – 2012“ sowie das Zeichen der Glockengießerei (Gießerzeichen).

Das neue Geläut der Gnadenkirche soll mit dem Geläut der katholischen Kirche St. Albert klanglich harmonieren.

November 2011
Für die Gestaltung der Schrift und der Glockenzier (Reliefs) wird der Dipl. Metall-Emaillegestalter Peter Luban aus Rößnitz/Vogtland unter Vertrag genommen. In diesem Monat erfolgt die Ausschreibung des Glockengusses, der Läutetechnik und des Glockenstuhls.

Februar 2012
Auftragsvergabe:

Demontage der Eisenhartgussglocken und des Glockenstuhls sowie Lieferung und Montage der Joche und der Glocken, von drei Klöppeln, der Läutetechnik und des Zubehörs an Heidenauer Glockenläute- und Eletroanlage GmbH in Heidenau,

für den Glockenguss an die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn/Hessen,

für den Eichenholz-Glockenstuhl an die Firma Gefüge und Gefache in Crimmitschau,

Bauarbeiten – Öffnung und Schließen des Turmes für den Glockentransport – Fa. JaBo Bau, Leipzig,

Gerüstbau – Fa. Süptitz, Leipzig,

Gesamtbauleitung – Ingenieurbüro Ritter-Müller, Leipzig.

6. Juli 2012
Guss der drei Bronzeglocken durch die Firma Rincker in Sinn, Gemeindeglieder fahren zum Glockenguss.

Ende Juli 2012
Demontage der Eisenhartgussglocken und des Glockenstuhls, die Kirche ist ohne Geläut, Beginn der Sanierung der Glockenstube, Einbau des Glockenstuhls.
21. September 2012
Ankunft der neuen Glocken in Wahren

21. und 22. September 2012
Begrüßungsfest

23. September 2012
Segnungsgottesdienst für die Glocken auf dem Kirchberg

24. September 2012
Einfahrt der neuen Glocken in den Turm

28. Oktober 2012
Anläuten der Glocken im Festgottesdienst zu Kirchweih

Technische Daten der neuen Bronzeglocken:

Kleine Glocke    unterer Durchmesser   924 cm, Ton f'   Gewicht 1100 kg
Mittlere Glocke    unterer Durchmesser 1085 cm, Ton g'  Gewicht   850 kg
Große Glocke    unterer Durchmesser 1195 cm, Ton b'  Gewicht   560 kg

Die Gesamtkosten für das neue Geläut betragen am Ende rund 140.000 €, die durch Spenden und Beihilfen der Landeskirche gdeckt wurden.

Die Eisenhartgussglocken erhalten an der Ostseite der Kirche vis-à-vis vom Altarraum einen würdigen Ehrenplatz.


Februar 2016                    Hans-Reinhard Günther
                            (für den Glockenausschuss)