Pilgerflasche

Sommer, Sonne, Saalestrand



Mein Tip: Parallel hier die Galerie öffnen und die Bilder zu  meinem Bericht ansehen!

Juhu, raus aus der dunklen Archivbox! Ihr könnt es Euch gar nicht vorstellen, wie groß meine Freude war, als am Heiligabend des letzten Jahres die Einladung aus Merseburg auf dem Gabentisch lag. Obwohl, eigentlich ging es mir ja schon schlimmer, schließlich hatte ich bis zum 18.06.1906 zusammen mit meiner Zwillingsschwester  sowie dreier Neffen aus Glas unter der Erde des Hänicher Friedhofs verbracht. Damals begann man mit Ausschachtungsarbeiten für die Erweiterung der Kirche, die Ihr jetzt unter dem Namen „Hainkirche St. Vinzenz" kennt. Seitdem wurde ich aller paar Jahre mal für wenige Stunden der Gemeinde gezeigt, die meiste Zeit steckte ich aber in einer dunklen Archivkiste im Tresor. Dagegen war die neuerliche Einladung mehr als verheißungsvoll - endlich mal ein richtiger Urlaub und dann gleich bis zum Saalestrand! Doch bis es soweit war, wurde ich erst einmal von allen Seiten vermessen und auch der Kirchenvorstand befasste sich mit meinen Urlaubsplänen. Zu meiner Freude wurden sie einstimmig genehmigt. Trotzdem dauerte es noch bis Anfang August, ehe es richtig losging. Doch dann gleich Business Class: Eine geräumige Alu-Kiste mit vielen Polstern und auf der Fahrt gab es auch eine Klimaanlage! Mein Quartier für die nächsten 3 Monate fand ich dann in der Südklausur des Domes. Der verdankt sein Aussehen ja dem Bischof Thilo von Trotha. Wie ich inzwischen herausgefunden habe, wurden wir alle nach Merseburg eingeladen, weil sich in diesem Jahr sein Todestag zum 500. Mal jährt. So teile ich meine geräumige Vitrine, die vier riesige Panoramascheiben und sogar einen Deckel aus Glas besitzt, mit einem Reliquienbehältnis aus Pegau, dem Altarsigillum aus Schotterey sowie einem Heiligen Jakobus d.Ä. aus Lindenholz. Über uns schwebt noch ein Ablaßbrief aus Kitzscher. Wie er das macht, will er uns nicht verraten, aber das bekomme ich auch noch raus. Die erste Woche war ziemlich ruhig, nur ab und zu kam noch ein neues Ausstellungstück hinzu. Sogar aus Rom und Kopenhagen wurde alte Bücher und eine Brautkrone hergebracht. Seitdem ist es aber tagsüber mit der Ruhe vorbei und wir werden von vielen Besuchern bestaunt. Manche kommen mit einer Führung. Das ist auch für uns ganz lehrreich. So haben wir schon erfahren, dass Thilo von Trotha 48 Jahre lang Bischof von Merseburg war. Für mich und meine Kollegen ist das ja nicht besonders lang, aber es soll inzwischen einen Staat gegeben haben, der es gerade einmal auf 40 Jahre gebracht hat.  Thilo war nicht nur Bischof sondern auch Bauherr, Wirtschaftsmanager und Kunstmäzen. Überall, wo er etwas bauen ließ, ließ er auch sein Wappen anbringen. Deshalb kann man heute noch gut die Baugeschichte von Dom und Schloss in Merseburg ablesen. Das alles läßt sich bloß schlecht beschreiben, man muss es einfach gesehen haben. Deshalb kann ich alle nur zu einem Besuch in Merseburg einladen. Die Sonderausstellung zu Thilo von Trotha ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Sonntags und zu besonderen Anlässen geht natürlich der Gottesdienst vor, aber das könnt Ihr alles unter 
www.merseburg2014.de nachlesen.
Ich habe übrigens auch eine eigene Seite unter
www.pilgerflasche.sophienkirchgemeinde.de,
auf der ich auch Bilder von meiner Reise eingestellt habe. 
Also dann, bis bald in Merseburg!