Geschichte

 

  Die Entstehung des Lützschenaer Marienaltars fällt in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Somit wird eine Stiftung durch die seit 1404 mit dem Dorf belehnte Familie von Üchtritz wahrscheinlich. Die Werkstatt, in der er entstand, ist bisher unbekannt.

 

Als 1822 Maximilian Speck (1776-1856), seit 1829 Freiherr Speck von Sternburg, die Herrschaft Lützschena erwarb, ließ er bereits ein Jahr später das Innere der Kirche klassizistisch umgestalten und einen Kanzelaltar, der den Flügelaltar ersetzte, aufstellen. Anlässlich des Geburtstags seiner Frau Charlotte geb. Hänel von Cronenthall (1787-1836) wurde im Jahre 1835 der Ostgiebel der Kirche neu verputzt und dort der Flügelaltar angebracht.

 

Pfarrer Ernst Moritz Reichel (1798-1863) vermerkt in dem von ihm verfassten Pfarr- und Ortsjournal:

„Der Mai trat sogleich mit dem mildesten Frühlingswetter ein, und bedeckte bald die Bäume um uns her mit einem weißen Blüthenschnee. … Auch die benachbarte Kirche erfuhr zu gleicher Zeit die vortheilhafteste Verbesserung und Verschönerung. Der Herr Baron ließ deren Giebel abputzen, um das ehemalige Altarblatt daran zu
befestigen und ihn mit einem neuen Zifferblatt zu versehen, … Im 8. Mai erschien uns einer der festlichsten Tage, der Geburtstag unserer hochverehrten Frau Charlotte von SpeckSternburg. … Gesang und Segen beschloß die religiöse Feier, … worauf in Lützschena auf dem freien Platz vor dem festlich verzierten Giebel der Kirche ein Frühstück servirt ward.“

 

Im Jahre 1855 wurde der Leipziger Architekt Oscar Mothes (1828-1903) mit dem Umbau der Lützschenaer Kirche beauftragt. In seiner Eigenschaft als Mitglied der Deutschen Gesellschaft zu Erforschung vaterländischer Sprache und Alterthümer in Leipzig setzte er sich dafür ein, dass der Flügelaltar in deren Obhut kam. Eigentümer blieb jedoch weiterhin die Kirchgemeinde Lützschena. Dies wurde in einem Schreiben vom 14. September 1855 und nochmals durch ein Revers vom 19. Mai 1857 juristisch festgehalten.

 

 

 

Über das Kunsthistorische Institut der Universität Leipzig gelangte der Lützschenaer Flügelaltar 1947 in das Depot des Stadtgeschichtlichen Museums der Stadt Leipzig, wo er sich bis heute befindet.

 

 

 

 

Die Grundsanierung der Schloßkirche Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre unter der Leitung des kirchlichen Baupflegers Dr. Gerhart Pasch zielte auf die Wiederaufstellung des Flügelaltars. Seitens der staatlichen Stellen der DDR wurde dieses Projekt jedoch verhindert. An seine Stelle trat ein von dem Leipziger Künstler Thomas Oelzner (geb. 1939) geschaffenes Altarkreuz aus Metall und Glas.

 

 

Im Mai 2013 fasste der Lützschenaer Kirchenvorstand einstimmig den Beschluss, dass der Flügelaltar wieder in die Schloßkirche zurückgeführt werden soll. Dazu waren im Vorfeld u.a. die Fragen zum künftigen Standort sowie zu Art und Umfang der Restaurierung, aber auch die klimatischen Bedingungen zu klären

 

 

 

 

 

 

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