Geschichte

 Die Schloßkirche bildet den städtebaulichen Auftakt zur Lützschenaer Schloßanlage. Im 16. Jahrhundert wurde auf romanischen Bauresten ein Gebäude  mit rechteckigem Langhaus und eingezogenem rechteckigen Chor errichtet. Sie diente als Gottesdienstraum und zugleich als Begräbnisstätte für die  Gutsbesitzerfamilie. Im Jahre 1855 ergänzte man den Bau in romantischer Weise durch die Ausbildung von Treppengiebeln sowie durch die Errichtung eines Westturmes in neugotischer Art mit sichtbarem Ziegelmauerwerk und Spitzbogenportal unter einem spitzen Turmabschluß. Die Baufälligkeit um 1965 führte zu einer Neugestaltung des Inneren unter Erhaltung historischer Details wie dem Sakramentshaus und dem Sakristeiportal. Inzwischen wurde die Schloßkirche ein weiteres Mal renoviert: Im Jahre 1997 konnte der Turm saniert werden und 1999 erfolgte die Erneuerung des  Innenraumes.  Ein noch erhaltenes Holzkruzifix aus dem Jahre 1450 befindet sich in der Sakristei. Der alte Flügelaltar wird im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig aufbewahrt. Anläßlich des 150jährigen Jubiläums der Lützschenaer Schlosskirche gilt es dem Leipziger Architekten Oscar Mothes (1828-1903), dem die äußere Gestalt der Kirche zu verdanken ist, zu gedenken.
Anhand älterer Zeichnungen und einer 1855 verfassten Beschreibung wird nachvollziehbar, wie die Kirche vor der grundlegenden Veränderung ausgesehen hat. Wertvoll ist auch das Tagebuch von Ernst Moritz Reichel, der von 1831-1863 als Pfarrer in Lützschena amtierte und den Umbau betreute. Die ältesten Bauteile stammen bereits aus der Romanik, wie z.B. der flache Chorabschluss, der Grundriss des Langhauses und der Sakristei. Gotische Elemente, wie die Sakristeitür, das Tabernakel (Sakramentshäuschen) im Chor sowie die einfachen gotischen Chorfenster haben ihren Ursprung im ausgehenden Mittelalter. Im frühen 18. Jahrhundert brannte die Kirche ab.
Wie weit, ist allerdings unbekannt. Die daraufhin erfolgte Erneuerung ist im Detail nicht nachvollziehbar. 1823 wurde der Innenraum mit hölzernen Wand- und Deckenverkleidungen, der sogenannten Kuckuckskanzel (Kanzel über dem Altar) und den umlaufenden Emporen ausgestattet.
Damals wurde auch der spätgotische Flügelaltar an die äußere Ostseite des Chores montiert, wo er unter den Witterungsverhältnissen litt. Durch Oscar Mothes wurde das Meisterwerk der spätmittelalterlichen obersächsischen Kunst vor der totalen Zerstörung gerettet.
Er vermittelte den Altar an die „Deutsche Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Sprache und Altertümer“. Inzwischen ist er in den Bestand des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig übergegangen. 1855 Der Umbau nutzte den Grundriß der Kirche.
Die Vorhalle erhielt durch den Turm und seinen Treppenaufgang eine neue Gestalt. Den sich auf rechteckigen Grund erhebenden Turm schließt ein achteckiger Helm ab. Zwischen der neuen Turmuhr und den vier Gauben erscheinen nach allen Seiten je drei schmale gotische Fenster, die von gemauerten Rundbögen überfangen sind. Den Westeingang bildet ein gotisches Portal, über dem sich eine Supraporte, ein über der Türöffnung gelagerter reliefvierter Spitzbogen, befindet. Südlich an die Vorhalle schließt sich die Treppe mit dem Zugang zu den Emporen und in den Turm an. Mit dem Bau wurden die Dachstühle des Chores des Langhauses abgenommen und die Mauern im Kirchenschiff bis zu den Fenstern niedergelegt. Die Höhe des Langhausdaches wurde über den Chor wieder aufgestockt und die romanischen Fenster spitzbogig aufgemauert. Der Ostgiebel, der Verbindungsgiebel Chor-Langhaus und der Westgiebel erhielten verzierende Stufen, auf denen sich ähnlich dem heutigen Sakristeidach Zinnen befanden. Der Sakristeianbau bekam ein separates Flachdach, dass seitliche Zinnen begrenzten. Der nördliche Zugang zur Sakristei wurde durch ein kleines gotisches Fenster ersetzt. Eine nach Osten durchgebrochene Tür ermöglichte nun den direkten Zugang zur Kanzel. Vorhalle und Kirchenschiff trennte nun eine Glastür.
Die Innenausstattung änderte Oscar Mothes kaum. Die alte runde Kanzel und der Altartisch wurden ersetzt: die Kanzel nun länglichviereckig, mit einem Lesepult in Gestalt eines aufgeschlagenen Buches, ruhend auf einer Taube, schwebend über dem Kruzifix und dem Auge Gottes (Altartisch), gleichfalls über dem Altar eingefügt und gotisch verziert sowie mit einem dunkelgrünen Vorhang versehen.
 
Außerdem wurde der Orgelaufgang im Süden der Kirche und die Treppe an der Südseite der Kanzel weggerissen. Mehrere einzelne Säulen im Schiff wurden entfernt.
Die freien Felder in der holzverkleideten Decke des Kirchenraumes bekamen einen blauen Anstrich mit goldenen Sternen. Die Weihe der neuen Schlosskirche fand verspätet am 26. November 1855 statt. Die Verspätung erzwang die im Rittergut ausgebrochenen Cholera.
Nach 1855 In den folgenden Jahrzehnten stieg Feuchtigkeit in den Mauern hoch und drang in die hölzernen Einbauten ein, so dass bereits 1914/15 Pfarrer Metzler einen Neubau plante. In einem Architektenwettbewerb war der Sieger bereits benannt, als der 1. Weltkrieg und wirtschaftliche Probleme der Plan scheitern ließen.
So wurde 1922 nur der Innenraum, durch Spenden finanziert, hergerichtet und in schlichter, den dörflichen Charakter wahrenden Art neu gestaltet.
Die Neue Leipziger Zeitung berichtete am Sonntag, den 19. November 1922 (S. 6): „Bei der Ausmalung des Kircheninneren wurde die Decke des Altarplatzes mit einem eigenartigen Gemälde geschmückt, dass auf die Jetztzeit hindeutet: Aus einem wogendem Kornfeld, das den Segen der Arbeit kennzeichnet, wächst ein Kreuz heraus und spricht von dem, der allein segnen kann; die dahinter aufsteigende Sonne stellt die Zuversicht dar, mit der wir Christen in die Zukunft schauen.
1965/66 bis 1972 In den Jahren 1965/66 bis 1972 erfolgte eine inzwischen längst überfällige grundlegende Renovierung. Begonnen wurde sie am Außenbau mit neuem Putz unter Pfarrer Göhler.
Vollendet hat sie sein Nachfolger Pfarrer Fritzsche. Bei der Erneuerung der Dacheindeckung des Langhauses und des Chores blieben zwar die Stufengiebel erhalten, auf die ursprünglichen Zinnen wurden jedoch verzichtet. Im neu gedeckten Kirchturm entfielen die 1855 eingefügten Gauben im obersten Geschoss. Die hölzerne Wand- und Deckenverkleidung von 1823 und 1855 sowie die Supraporte wurden wegen der Gefahr des Schwammbefalls herausgerissen und verbrannt. Die West- oder Orgelempore wurde „zurechtverändert“. Die Zugänge zu den Emporen durch die Sakristei wurden vermauert, die Treppe durch eine einfache Leiter ersetzt. Die ursprünglich herrschaftliche Betstube über der Sakristei nutzte ab ca. 1970 die Junge Gemeinde. Der zwischen Chor und Langhaus eingefügte Spitzbogen entfiel.
Die gesamte Inneneinrichtung wie Gestühl, Kanzel, Tauftisch und Lesepult wurde neu gestaltet. Die nächsten Umbauten erfolgten ab 1993. Die Sakristei erhielt nun ein leicht geneigtes und wieder um die Zinnen ergänztes Dach. 1995 erhielt die Sakristei eine neue Tür und 1998 wurde der Innenraum neu gestrichen. Der Architekt Oscar Mothes Oscar Mothes, geboren 1828 in Leipzig, studierte 1845-1848 bei Gottfried Semper in Dresden. Nach Militärdienst und Studienreisen durch Italien und Spanien ließ er sich in Leipzig als Architekt nieder. Der Umbau der Schlosskirche 1855 war seine dritte architektonische Arbeit.
In den ersten Jahren baute er auch Schlösser und Villen um. Später spezialisierte er sich auf die Restaurierung und den Neubau von Kirchenbauten. Er war der Neogotik zugetan, was man auch an der 1873-74 errichteten Familienvilla in der Käthe-Kollwitz-Straße 70 in Leipzig sehen kann. Er beschäftigte sich intensiv mit der Architekturgeschichte und publizierte wissenschaftliche Abhandlungen, darunter das vierteilige Illustrierte Baulexikon. An der Entwicklung des Leipziger Stadtmuseums war er aktiv beteiligt.
So geht der Leipziger Geschichtsverein, dessen angelegte Sammlungen einen maßgebenden Beitrag zur Gründung des Stadtmuseums leistete, auf seine Initiative zurück. Als in Leipzig die Auftragslage ab dem 2. Drittel des 19. Jahrhunderts nachließ, ging Mothes nach Zwickau, wo er unter anderem die Marienkirche und später die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz umbaute.
Er starb 1903 in Dresden.

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